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MENTALE ÜBUNGEN

KREATIVITÄT UND KUNST 20 / 08 / 07

'Heureka', rief Archimedes als er das berühmte physikalische Prinzip entdeckte, das heute seinen Namen trägt. Es ist ein Ausruf der Zufriedenheit und Freude, ein schweres Problem gelöst zu haben, also etwas Kreatives geschaffen zu haben. Die Wörter Kreativität und Kunst sind seitdem in unserer Gesellschaft untrennbar miteinander verbunden. Viele Personen, die eine künstlerische Technik beherrschen, haben sogar das Gefühl, sie seien kreativer. Doch welche Bereiche des Gehirns sind für diese Vorgänge verantwortlich?

Bei den meisten Personen werden sprachliche Informationen in der linken, räumliche Informationen dagegen in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet. Die linke Gehirnhälfte verarbeitet daher konsekutive und lineare Daten, während die rechte Daten der Wahrnehmung und der Räumlichkeit verarbeitet. Neben der Sprache ist die linke Hälfte für Lesen, Schreiben, logische Analyse, Arithmetik und Mathematik verantwortlich. Mit ihrer Hilfe erkennen und geben wir Symbole wieder und bilden unser Gedächtnis. Kurzum, diese Gehirnhälfte wird für die linguistisch-logische Dimension verwendet. Die rechte Gehirnhälfte wird dagegen für künstlerische und musikalische Fähigkeiten, räumliche Zusammenhänge, Erkennung von Gesichtern, die Gesamtvisualisierung und Assoziation von neuem und alten Material sowie zum Abrufen der Gedächtnisinformationen verwendet. Sie wird daher mit räumlichen und globalen Aspekten von Informationen in Verbindung gebracht.

Die zwei Gehirnhälften stehen in einer Art Wettbewerb zueinander. Da unsere Kultur dazu tendiert, Sprache und Logik zu bevorteilen, dominiert die linke Hälfte zumeinst die rechte. Wenn wir diese Tendenz zu steuern vermögen, erhalten wir Zugang zu Gehirnaktivitäten, die von der rechten Gehirnhälfte moduliert, aber oft von Sprache überschattet werden. So ist es möglich, unsere Kreativität zu verbessern. Damit wir aber Informationen mit der rechten Gehirnhälfte auf räumliche und globale Art verarbeiten können, muss das Gehirn vor eine Aufgabe gestellt werden, die die analytische, verbale linke Gehirnhälfte ablehnt.

Die Dominanz der linken über die rechte Gehirnhälfte wird in am besten in einer lebensechten Situation wie Zeichnen deutlich. Wenn wir versuchen, die Zeichnung eines Gesichts zu kopieren, erkennen wir schnell, wie unsere Kenntnisse unsere Fähigkeit zu sehen, was wir kopieren sollen, verändert. Die Nase wird so nicht die des Originals sein, sondern unsere Vorstellung der Nase. Die Informationen, die aus der linken Gehirnhälfte kommen, können hier aber mit einem Trick überlistet werden. Es reicht schon, den Entwurf auf den Kopf zu stellen, wobei hier keine Bedeutung oder Definition geändert wird.

Wir wissen ja, dass es in unserem Gehirn im Alter zu verschiedenen Veränderungen kommt. Ich habe mich daher gefragt, ob Kreativität von diesem Prozess beeinflusst wird oder dagegen immun ist? Mir sind einige Künstler aufgefallen, die große Werke auch im hohen Alter vollbracht haben. In der Welt der Literatur schrieb Sophokles Oedipus in Colono im Alter von 89, Goethe stellte Faust mit 80 fertig und Victor Hugo schrieb Les Miserables mit 60. Bei bildlicher Kunst hätten wir Giotto, der mit 66 den Glockenturm der Kirche Santa Maria del Fiore in Florenz konzipiert hat. Im Alter von 64 Jahren malte Michelangelo die Sixtinische Kapelle, danach erreichte seine Kunst mit der Kuppel des Petersdoms und der Skulptur Pietà Rondanini, jetzt in Mailand aufbewahrt, ihren Höhepunkt. Leonardo begann die Mona Lisa mit 50 und arbeitete an dem Gemälde bis zu den letzten Tagen vor seinem Tod im Alter von 67 Jahren. Tizian starb erst mit 86 und malte in der letzten Periode seiner Lebenszeit mit größter Leichtigkeit und Ausdrucksweise. Auch Goya und Monet fanden im hohen Alter neue Ausdrucksweisen.

Im Alter von 60 Jahren malte Tiepolo die prachtvollen Fresken im königlichen Palast von Madrid. Botero zeigte auch im Alter von 75 Jahren, dass er die Energie und Kreativität besaß, jeden Tag, auch an Samstagen und Sonntagen, acht Stunden lang ununterbrochen zu arbeiten. Obwohl er sich guter Gesundheit erfreute, kam Verdi mit seinem hohen Alter nicht so gut zurecht. Dennoch schuf er seine wichtigsten Opern in dieser Lebensperiode - Othello mit 76 und Falstaff mit 80. Letztere stellte er 1893 fertig, und ein Jahr darauf dirigierte er 6 bis 8 Stunden täglich Proben, wobei seine geistige und physische Verfassung die Ärzte verblüffte. Ein Beispiel aus dem Film: Buñuel gewann einen Oscar für "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" mit 72.

Diese zahlreichen Beispiele zeigen, Kreativität und Alter schließen sich nicht aus - auch im hohen Alter ist vortreffliche Qualität der kreativen Werke möglich. Natürlich ist hierfür eine gute Stimulation der Kreativität erforderlich, weil sie das Gehirn vor Erosion schützen kann, die vor allem im präfrontalen Kortex des Gehirns vorkommt, dem Befehlszentrum unseres Gehirns.

Erscheinungstermin

29.06.2007

Nutzen des Spiels

> Lernen

> Übung

> Konzentration