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MENTALE ÜBUNGEN

NEURONALE PLASTIZITÄT 23 / 07 / 07

Das Gehirn ist ähnlich einem Straßenatlas strukturiert, den wir auf einer Reise oder im Urlaub verwenden. Die unzähligen Landstraßen, Hauptstraßen, Autobahnen, Kreuzungen, Dörfer, Städte zeigen uns ganz grob, wie komplex unser Gehirn ist. Die Dörfer und Städte, die wir auf der Karte sehen, entsprechen in etwa Nuklei, die für die Verarbeitung von Informationen verantwortlich sind. Die verschiedenen Straßen können wir uns als Fasern vorstellen, die Informationen von einem Zellkern zum anderen übertragen.

Zwei Merkmale machen das Gehirn zu einem ganz besonderen Organ: die so genannte Redundanz sowie die Plastizität. Mit Redundanz ist Überbedarf gemeint. Werfen wir mal einen Blick auf unsere Karte. Es gibt nicht nur eine Straße, die zu einer Stadt führt, sondern mehrere.  Die Autobahn A1 ist beispielsweise nicht die einzige Straße, die von Rom nach Mailand führt. Genauso verhält es sich in unseren Gehirnen. Es gibt verschiedene Wege, die zwei Zellkerne in unserem Gehirn verbinden, was sehr vorteilhaft für uns ist.

Nehmen wir wieder das Beispiel des Straßennetzes zur Verdeutlichung. Wenn eine Straße blockiert ist - sei es aufgrund von Straßenarbeiten, Erdrutsch, herabfallenden Felsen oder Ähnlichem - erreichen wir unser Ziel trotzdem, eben nur über einen alternativen Weg. Dasselbe geschieht in unserem Gehirn, wenn unsere Straßen aufgrund von Traumata oder bedingt durch den Alterungsprozess nicht befahrbar sind - es wird einen alternativen Weg geben, die Nachricht im Nervensystem zu transportieren.

Nur funktioniert das Merkmal der Redundanz leider nur innerhalb bestimmter Grenzen. Neurochirurgen wissen beispielsweise ganz genau, dass sie bei einer heiklen Operation am Gehirn besonders aufpassen müssen, die großen Nervenfasern nicht zu beschädigen, weil diese nicht heilen, wenn sie einmal durchgeschnitten wurden.

Das zweite Merkmal, das unser Gehirn so besonders macht, ist seine Plastizität. Doch was bedeutet das ganz genau? Das Gehirn eines Fötus ist wie Ton, sehr dehnbar und kann leicht geformt werden. Die Plastizität nimmt mit der Entwicklung des Gehirns ab, um dem Individuum eine erhebliche Stabilität zu gewährleisten. Andernfalls wäre das Gehirn völlig externen Einflüssen ausgesetzt, die es kontinuierlich verändern würden. Doch wie ein Chamäleon, das die Farbe seiner Haut ändert, behält das erwachsene Gehirn seine Fähigkeit bei, sich zu verändern, sei es bedingt durch einen Schaden, den Altersprozess oder dank regelmäßigen Übungen.

Den äußersten Teil unseres Gehirns nennen wir Kortex. Er ist ein wichtiges Zentrum für die Informationsverarbeitung. Die Karten der sensorischen Oberflächen unseres Körpers werden im Kortex aufbewahrt. Ein Phänomen, das uns die plastische Fähigkeit dieser Karten verdeutlicht, ist der so genannte Phantomschmerz. Amputiert man jemandem ein Gliedmaß, wird der sensorische Bereich des Kortex, der Informationen von dem Gliedmaß erhielt, wiederverwendet, um Informationen aus anderen Teilen des Körpers zu verarbeiten. So kann es beispielsweise dazu kommen, dass ein Patient, der eine Hand verloren hat, Druck auf der Hand spürt, wenn man sein Gesicht berührt.

Die Umstrukturierung des Gehirns kann auch das Resultat von Verletzungen sein. Wenn ein kleiner Teil des Kortex durch ein Trauma beschädigt wird, ändern andere Bereiche des Gehirns ihre Funktionen und kompensieren die Arbeit des ausgefallenen Bereichs. Man könnte das auch mit dem Internet vergleichen. Wenn ein Server aus irgendeinem Grund ausfällt, bricht das Netzwerk nicht zusammen, weil andere Server die Arbeit des beschädigten Servers kompensieren. Außerdem sorgen Übungen dafür, dass unser Gehirn modifiziert wird und folglich seine Kapazität verbessert wird. Der zerebrale Kortex mancher Geiger ist im Bereich, der die Bewegungen der linken Hand koordiniert, die die Saiten berührt - eine Bewegung, die häufig durchgeführt wird - viel breiter als der Kortex anderer Menschen. Des weiteren entwickelt das Lernen einer Fremdsprache den Bereich des Gehirns, der Sprachinformationen verarbeitet. Und Taxifahrer haben in der Regel einen höher entwickelten zerebralen Bereich, der räumliche Informationen koordiniert.

Plastizität ist also nicht nur in jungen Gehirnen verbreitet, sie ist auch ein Merkmal von Gehirnen älterer Leute. Umfassende Studien zeigen, dass mentale Übungen auch die Leistung von Gehirnen älterer Leute verbessern, wenn auch nicht so sehr wie bei jungen Gehirnen. Deshalb sind Gehirn-Jogging und Mehr Gehirn-Jogging ideale Stützen, um das Gehirn auch im fortgeschrittenen Alter jung und aktiv zu halten.

Erscheinungstermin

29.06.2007

Nutzen des Spiels

> Lernen

> Übung

> Konzentration